Die Schleicher

der Laternenträger | die Innengruppe des Schleicherkreises

Sie sind die Kerngruppe der Telfer Fasnacht und für das Schleicherlaufen namengebend.

Im 19. Jahrhundert trugen Schleicher nur spitz zulaufende Hüte, auf deren Krempe ein sogenannter "türkischer Bund", d.h. verschiedenfarbige Schnüre und Tuchstreifen, zu einem Wulst zusammengedreht wurde, den eine darüber liegende Goldschnur zusammenhielt. Dann bürgerten sich etwa ein Meter hohe, individuell mit verschiedensten Motiven gestaltete Hüte ein. Dazu tragen die Schleicher große Schellen und Drahtmasken, die ihnen ein jünglinghaftes Aussehen geben.

Die Schleicher vollführen einen mythisch anmutenden Kreistanz in altüberlieferter Schrittfolge. Im Inneren des Kreises bewegt sich, ebenfalls gemäß alter Überlieferung, eine Gruppe weiterer Figuren (siehe unten). Der Wirt lässt die Ehrengäste hochleben.

 

 


Gruppenführer:
Mag. STERZINGER Hans
Krehbachgasse 8, Telfs
Telefon-Nr. 0676/5243723,
FAX: 05262/65723
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Homepage:
www.die-schleicher.com

Gotl'n:
ÖLHAFEN Angelika
SZELI-HAAS Doris

Anzahl der Gruppenmitglieder: 90

Gruppenlokal: beim Gapp (Untermarktstraße 57)

Termine:
Sa. 17.01.2015, Nagl-einischlogn
So. 25.01.2015 - Generalprobe

 


die-schleicherDie Schleicher kleiden sich nach alter mündlicher Überlieferung mit einer weißen Hemdbluse und einem Goller (= ein kragenartiger Umhang), dem graue oder weiße, seltener farbige Dreiecke aus Papier aufgenäht waren, die sich gegenseitig deckten. Alle Schleicher säumen ihren Goller mit kostbaren Goldspitzen ein, auch der Hosenhaben kostbare Spitzen oder Borten.

Wahrscheinlich unter dem Einfluss des einheimischen Künstlers und fasnachtsobmann von 1890 Josef Pöschl fand der Spitzhut eine künstlerische Ausgestaltung. Da unter den Schleichern zahlreiche kunstbegabte Männer waren, wurden die Hüte  individuell dem Zeitgeist der jeweiligen Epochen auf fantastische Weise weiterentwickelt und gestaltet. Mehr und mehr wollte jeder Schleicher seine eigenen Ideen einbringen und diese selbst darstellen. Dies gilt bis zum heutigen Tag.

Seit 1895 tragen die Schleicher schwarze Halbschuhe, oder farbige, meist bestickte Hausschuhe, weiße Kniestrümpfe, farbige Kniebundhosen aus Seide, Spitzen Fransen und Borten. Alle tragen weiße Handschuhe, um die Körpermitte einen Ledergurt mit einer Schelle. Ein "Polsterle" (= kleines Kissen) stützt am Rücken die großen Schelle ab.

die-schleicher 2010 1Der Ledergurt wird von einer breiten, auf der linken Seite herabhängenden Schärpe verdeckt. In der Rechten trägt der Schleicher eine Stange mit aufgereihten Brezen und ein Fähnchen; in der linken Hand ein mit Spitzen verziertes Tüchlein. Der letzte Schleicher - der Auskehrer - trägt statt des Fähnchens einen kleinen Besen aus Birkenreisig.

 

Der Laternenträger:

Er gehört zur Gruppe der Schleicher. Die Maske hüpft der Schleichergruppe voraus um für den "Kroas" (= Kreis) Platz zu machen. Seine Harlekinskleidung veranlasste Volkskundler zu spekulativen Deutungen: Manch einer sah in ihm den "Hariloking", den Anführer des Totenheeres.
Andere vermeinten, er sei eine Narrengestalt, die bei Tag Licht anzündet, um die Fasnacht zu suchen; wieder andere Forscher glaubten er sei einst, als die Fasnacht nachts abgehalten wurde, den Fasnachtern vorausgegangen um ihnen eine Lichtquelle zu bieten.

Wie dem auch sei, der Laternenträger bleibt eine rätselhafte Figur. Dies kommt beim Dritten und letzten Ereignis, der öffentlichen Totenehrung, besonders auffällig zur Geltung. Er führt dann nach Einbruch der Dunkelheit als einzige Maske alle Fasnachter, die mit Lampions und Fackeln sonst aber in Zivilkleidung auftreten, zum Friedhof.

Am Stiegenaufgang des Friedhofs bildet er als einzige Maske eine symbolische Verbindung von den lebenden zu den verstorbenen Fasnachtern.

 

Die Innengruppe des Schleicherkreises:

der-schleicher-laterntrager 2010Der Goaßer (= Geißhirt) trägt Bergblumen und Hahnenfedern auf seinem "Hüatl" und ein Rossgeröll um die Hüften und gibt mit seinem Alphorn die Zeichen für die einzelnen Teile der eleganten Ehrentänze. Sein Sprung geht in taktmäßig hopsender Bewegung nach rückwärts. Er berührt bei jedem Sprung gleichzeitig mit beiden Füßen den Boden. Vor Beginn des Sprunges stößt er verschieden hohe Töne aus seinem hölzernen Horn. Während er tanzt kehrt er den Schleichern stets sein Gesicht zu und springt aus demselben Grunde nach rückwärts. Am Schluss bläst er wieder in sein Waldhorn, um das Zeichen zum Abbruch des Tanzes zu geben.

Zum Goaßer gesellen sich Tuxer und Tuxerin, Senner und Sennerin. Das Tuxerpaar in seiner charakteristischen, selbst geschaffenen Bekleidung, jedoch hier wie die Telfer Schützen mit blau gefärbten Wadenstutzen, gehörte um 1700 und schon etliche Jahrzehnte zuvor zu den landläufigen Älplern und "Tiroler Typen", die bei verschiedenen anderen feierlichen oder lustigen Anlässen auftraten. Verschiedene Sittenrichter wetterten wider die "schamlose" Tracht angesichts der nackten Knie, kurzen Röcke und breiten Brustflecke der Tuxerinnen: gerade deswegen wurden sie beliebte Fasnachtsfiguren.

die-schleicher 2010 3Im Sennerpaar ist die Hauptarbeit auf der Alm gekennzeichnet. Es tritt in seiner Almausrüstung auf. Jede Figur tanzt für sich allein nach dem Takt der Schleicherglocken, jedoch nur auf einem Bein. Das Paar bleibt stets im Kreis der Schleicher.

Neben der Kellnerin und dem Glaslbua stellt der Wirt eine wichtige Rolle dar. Er hat die einzige sprechende Rolle bei der Schleichergruppe. Mit dem "Hoch" auf die Gäste, die er namentlich ausruft, soll Gesundheit, Glück, Erfolg und persönliches Wohlergehen verbunden sein.